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Endokrine Orbitopathie


Endokrine Orbitopathie - Was ist das ?


Die Endokrine Orbitopathie (EO) ist eine entzündliche Erkrankung der Augenhöhle, die in den allermeisten Fällen zusammen mit einer Schildrüsenüberfunktion auftritt. Diese Erkrankung wird auch Morbus Basedow genannt. In vielen Fällen (80%) treten beide Erkrankungen zugleich innerhalb von 6 Monaten auf, die Augenerkrankung kann aber auch erst Jahre später auftreten.

Die Entzündung manifestiert sich am Bindegewebe der Augenhöhle und an den Augenmuskeln. Die Ausprägung der Erkrankung ist von Patient zu Patient und sogar zwischen beiden Augen sehr unterschiedlich.

Folgende Krankheitssymptome können auftreten:
  • Vergrößerung der Lidspalte durch eine entzündliche/narbige Verkürzung des Lidhebermuskels/bzw bei eingeschränktem Blick nach oben
  • Entzündungszeichen äußerlich: Schwellung, Rötung, Schmerzen der Lider und der Bindehaut, Druckgefühl hinter dem Augapfel, Schmerzen bei Augenbewegung
  • Hervortreten der Augäpfel durch entzündliche Schwellung des Bindegewebes/der Augenmuskeln
  • Schielstellung der Augen mit Doppelbildwahrnehmung durch entzündliche/narbige Verkürzung der Augenmuskeln (meist Schielen nach innen bzw. nach unten bei eingeschränktem Aufblick/Seitblick)
  • Austrocknung der Hornhaut durch die erweiterten Lidspalten, inkompletten Lidschluß während der Nacht und veränderte Tränensekretion mit Fremdkörpergefühl, Verschwommensehen und erhöhter Lichtempfindlichtkeit
  • Einklemmung des Sehnerven durch erhöhten Druck in der Augenhöhle mit Farbsehstörungen und Gesichtsfeldausfällen (sehr selten !!)

Endokrine Orbitopathie - Was kann man dagegen tun ?
Therapiemöglichkeiten in der frühen, entzündlichen Phase:
Entscheidend für das Therapeutische Vorgehen ist die Krankheitsaktivität.
Die folgenden 10 Punkte sprechen für eine aktive Erkankung:
  1. Schmerzen bei Augenbewegungen
  2. Druckgefühl hinter dem Auge
  3. Lidschwellungen
  4. Bindehautrötung
  5. Bindehautschwellung
  6. Karunkelschwellung
  7. 7. Rötung der Lider
  8. Zunahme des Exophthalmus (Hervortreten des Augapfels) um mehr als 2 mm in den letzten 3 Monaten
  9. Augenbewegungsstörungen (Dopplebilder)in den letzten 3 Monaten
  10. Visusminderung (Sehschärfe verschlechtert) in den letzten 3 Monaten


Abb. 3 Lidschwellungen

Abb. 1: Lidschwellungen


Abb. 2 Bindehautrötung, Bindehautschwellung

Abb. 2: Bindehautrötung, Bindehautschwellung


Abb. 3: Karunkelschwellung

Abb. 3: Karunkelschwellung


Abb. 4: Rötung der Lider

Abb. 4: Rötung der Lider



Bei einer aktiven Erkrankung besteht noch eine aktive Entzündung in der Augenhöhle. Eine Entzündungstherapie sollte durchgeführt werden. Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:

Therapie mit Cortison-Präparaten in Tablettenform oder durch intravenöse Gabe.
Vorteile: schneller Wirkungeintritt gute Wirkung gegen die Schwellungen, teilweise Besserung der Doppelbildwahrnehmung, kaum Besserung der hervorgetretenen Augen

Nachteile: verstärkter Appetit mit Gewichtszunahme, Magenbeschwerden, Blutzuckerschwankungen, Stimmungsschwankungen
Gegenanzeigen: jegliche Infektionserkrankungen (Tbc !), Magengeschwür, Diabetes mellitus, Osteoporose, Psychosen

 
 
  Abb. 5a: vor Cortisontherapie   Abb. 5b: Nach Cortisontherapie  
 
Abb. 5a-6a: Vor Cortisontherapie

 
Abb. 5b-6b: Nach Cortisontherapie

 
  Abb. 6a: vor Cortisontherapie   Abb. 6b: Nach Cortisontherapie  

Entzündungsbestrahlung


Vorteile: kaum Nebenwirkungen, Wirkung weniger ausgeprägt als Cortison
Nachteil: langsamer Wirkungseintritt

bei schwersten Verlaufsformen: intravenös: hochdosiert Cortison-Präparate

bei drohendem Verlust des Sehvermögens: operative Entlastung der Augenhöhle (Dekompressions-Operation)


Zur Linderung Ihrer Beschwerden stehen noch eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Verfügung:
bei Doppelbildern: Prismenfolie für die Brille zur Kompensation der Doppelbildwahrnehmung in den wichtigen Blickrichtungen, später Augenmuskel-Operation
bei trockenen Augen: Tränenersatzmittel (Augentropfen bzw. Gele am Tag, Augensalben zur Nacht)
bei starken Lid-Schwellungen: Lymphdrainagen im Gesicht, Oberkörper nachts hoch lagern
bei (wechselnd) stark aufgerissenen Augen: Injektionen von Botulinus-Toxin in den Müllerschen Lidhebermuskel


  Abb. 7a: Vor Botulinustoxininjektion   Abb. 7b: Nach Botulinustoxininjektion  
 
Abb. 7a: Vor Botulinustoxininjektion

 
Abb. 7b: Nach Botulinustoxininjektion

 

Was kann Ihre Erkrankung verschlechtern ?
  • eine schlecht eingestellte Schilddrüsensituation
  • vorübergehend eine Radiojodtherapie (mit dem Strahlenarzt über eine Steroidtherapie zur Prophylaxe sprechen !)
  • Rauchen
  • Stress
Therapiemöglichkeiten in der späten, nicht-entzündlichen Phase (inakive Phase):
Auch wenn die Entzündung inaktiv geworden ist, hinterläßt die Erkrankung leider durch Vernarbung an den Augenmuskeln und durch eine Zunahme des Bindegewebes in der Augenhöhle häufig Veränderungen an den Augen, die operiert werden müssen.
Folgende Techniken stehen zur Verfügung:
  • Bei stark vorstehenden Augen und inkompletten Lidschluss mit Austrocknung der Augen in der Nacht:
knöcherne Orbitadekompression (Erweiterung der Augenhöhle), so dass die Augapfel zurück in die Augenhöhle wandern können:
operativer Zugänge: Bügelschnitt an der Haargrenze
transnasal/transantral (durch die Kieferhöhle über Mund oder Nase)
Komplikationen: Gefühlsstörungen im Gesicht
Verstärkung der Augenschielstellung
sehr selten: Verletzung des Auges

  Abb. 8a: vor Operation beidseits   Abb. 8b: Nach Operation beidseits  
 
Abb. 8a: vor Operation beidseits

 
Abb. 8b: Nach Operation beidseits

 
  • Bei starker Vorwölbung des Augenhöhlenfettes an den Lidern: Fettenfernung aus dem vorderen Teil der Augenhöhle
  Abb. 9a: vor Operation beidseits   Abb. 9b: Nach Operation beidseits  
 
Abb. 9a: vor Operation beidseits

 
Abb. 9b: Nach Operation beidseits

 
  • Bei Doppelbildern: Augenmuskeloperation
  Abb. 10a: vor Operation links   Abb. 10b: Nach Operation links  
 
Abb. 10a: vor Operation links

 
Abb. 10b: Nach Operation links

 
  • Bei erweiterter Lidspalte: Oberlidverlängerung, Unterlidverlängerung, seitliche Lidspaltenverkleinerung
  Abb. 11a: vor Oberlidverlängerung links   Abb. 11b: Nach Oberlidverlängerung links  
 
Abb. 11a: vor Oberlidverlängerung links

 
Abb. 11b: Nach Oberlidverlängerung links

 
  Abb. 12a: vor Operation   Abb. 12b: Nach nach Augenmuskeloperation  
 
Abb. 12a: vor Operation

 
Abb. 12b: Nach nach Augenmuskeloperation und
anschließender seitlicher Lidraffung links


 
 
 


Sehschule / Orthoptik: Sprechstunde >> Doppelbilder >> Orbitopathie
 
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